Pfarrei St. Lukas

St. Lukas

Lukas - »Kaplan der lieben Gottesmutter«

»Sankt Lukas«, so heißt es zu Beginn der Legenda aurea, »glich der Sonne; er ist hoch gewesen durch himmlische Betrachtung, schön in seinem guten Wandel, schnell in seiner feurigen Predigt, nützlich damit, dass er seine Lehre aufgeschrieben hat.« Hinweise wie diese über Lukas, dessen Name von »lux« - dem Licht - stammt, sind spärlich. In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, warum unsere Pfarrkirche das Patronat des hl. Lukas erhalten hat und wer dieser Mann gewesen ist.


Der Ursprung des Lukas-Patroziniums liegt sicher in dem Wunsch, hier einen Heiligen verehren zu wollen, der in großer zeitlicher Nähe zu unserem Herrn Jesus Christus gelebt hat und aus diesem Grund seine Botschaft sehr authentisch bezeugen konnte. Zunächst war an den hl. Markus als den ältesten Evangelisten gedacht, doch wird der seit langem im nahe gelegenen Haimbach verehrt. Wie dem hl. Markus sind auch den Evangelisten Matthäus und Johannes eine ganze Reihe von Kirchen in unserem Bistum geweiht. Einmalig hingegen würde eine Lukas-Kirche sein, da in der ganzen Diözese Fulda keine weitere existiert.


In der Urkunde zur Grundsteinlegung unseres Gotteshauses (19. Oktober 1975) wird folgende Begründung dafür gegeben, warum die Wahl auf Lukas fiel: »Wir haben den Heiligen Lukas zum Schutzpatron unserer Gemeinde gewählt, weil wir in dieser Zeit des Umbruchs und der Erneuerung der Kirche uns besinnen müssen auf das, was uns aufgeschrieben wurde am Anfang. Unsere Gemeinde soll ein Ort werden, wo man die Heiligen Schriften unseres Glaubens lieb gewinnt, damit wir aus ihnen Rat und Weisung empfangen in den drängenden Fragen der Gegenwart und durch den Geist, der aus ihnen spricht, umgewandelt werden zu neuen Menschen.«


Man hatte sich also für Lukas entschieden, der wahrscheinlich im syrischen Antiochien als Heide geboren wurde und von Beruf Arzt war (Kol 4,11), sich Paulus auf der zweiten Missionsreise in Troas anschloss, ihn bis Philippi und sieben Jahre später nach Jerusalem begleitete. Auch während der ersten und zweiten Gefangenschaft des Apostels in Rom war Lukas, vielleicht mit Unterbrechungen, bei Paulus. Nach dessen Tod hat er wohl in Achaia (Griechenland) gewirkt. In Böotien starb er im Alter von etwa 84 Jahren. Die Legenden zählen ihn zu den 72 Jüngern Jesu oder identifizieren ihn mit dem namentlich nicht genannten zweiten Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Im Jahre 357 wurden die Gebeine des Evangelisten durch Kaiser Konstantius II. nach Konstantinopel übertragen und in der bald darauf erbauten Apostelkirche beigesetzt.


Vier Aspekte seines Lebens und Wirkens könnten für unsere Pfarrgemeinde von besonderer Bedeutung sein. In Achaia verfasste Lukas sein Evangelium, das heißt die »frohe Botschaft« von Jesus, dem Christus. Eine tiefe Freude über die Erlösung ist das wesentliche Merkmal des Christlichen. Glaube macht froh, er lässt das Licht am Ende des Tunnels sehen, befreit, lässt aufatmen. Wir Christen sind unterwegs mit einer Botschaft, die Hoffnung bringt. Deshalb können wir als Vorhut einer neuen Zeit in die Zukunft gehen, weil Gott mitgeht.

Lukas kündet im Evangelium und in der ebenfalls auf ihn zurückgehenden Apostelgeschichte Jesus als Geistträger. In ihm ist vollendet, was Jesaja in einer Vision gesehen hat, er ist der, auf den der Geist Gottes sich niederlässt und der die Fülle der Geistesgaben empfängt. Dieser Geist wirkt seit Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, in den Aposteln und durch die Jahrhunderte in allen, die ihren Glauben auf ihr Zeugnis gründen. Dieser Geist der Einheit soll uns zu einer Pfarrfamilie formen und mit der Familie Gottes verbinden.


Lukas war von Beruf Arzt. Deshalb hat er Jesus Christus als den Heiland verkündet, als den, der heilt, der aufrichtet, der tröstet, der Zeugnis gibt von der Barmherzigkeit Gottes, die keine Grenzen kennt. Lukas sieht darum Jesus als den Retter für alle, für die Juden, für die Bewohner von Samarien, für die Heiden. Er rettet das Verlorene und führt es zurück in die Arme Gottes. Mitten unter uns soll die Kirche als Heil-Land erfahrbar werden, wo Heil und Heilung geschehen können.


Im 6. Jahrhundert taucht die Legende auf, Lukas sei auch Maler gewesen, der zu Lebzeiten ein authentisches Bild der Gottesmutter mit dem Kind gemalt haben soll. Dies hängt offensichtlich mit der Bedeutung Mariens in seinem Evangelium zusammen. Im Mittelalter wurde Lukas demzufolge auch als »Kaplan der lieben Gottesmutter« bezeichnet, denn zum Sondergut des Evangelisten, d.h. zu den Erzählungen des Evangeliums, die sich nur bei Lukas finden, gehören vor allem Begebenheiten aus dem Leben Marias. Diese sind auch auf den farbigen Glasfenstern der Künstlerin Agnes Mann aus dem Jahr 1982 in unserem Gotteshaus abgebildet: Verkündigung, Heimsuchung, Jesu Geburt, Hirten auf dem Feld, Darstellung im Tempel und der Zwölfjährige im Tempel. Wenn Lukas so intensiv mit Maria verbunden war, dann dürfen auch wir uns an ihrer Hand zu Christus führen lassen.

Das Grab des heiligen Evangelisten Lukas

Nach einer alten Überlieferung wurde der Evangelist Lukas, der ein gebürtiger Antiochier war und in fortgeschrittenem Alter (mit 84 Jahren) starb, in Theben, der Hauptstadt der griechischen Region Beotien, begraben. Von dort wurden seine Gebeine in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts - wie auch der heilige Hieronymus berichtet - nach Konstantinopel in die Basilika der zwölf Apostel gebracht.


Im Mittelalter, und zwar im 11. und 12. Jhd., wurden mehrere Leichen von Heiligen auf dem Friedhof von Prato della Valle neben dem Kloster Santa Giustina gefunden. Manuskripte des 14. und 15. Jahrhunderts, die auf älteren hagiographischen Texten basieren, berichten von einem letz¬ten Fund im Jahre 1177: Man erzählt von Wundern (Wohlgerüche, warnende Träume), von der Entdeckung eines titulus (Inschrift mit dem Namen des Heiligen) und des Symbols der drei Kälber auf dem Sarg, in dem die Leiche lag. Das alles veranlasste Domenico, Abt des Klosters, und den Bischof von Padua, Gerardo Offreducci, den Papst Alexander III aufzusuchen, der sich damals in Ferrara befand, damit er bescheinige, die Leiche sei diejenige des hl. Lukas.

Um das Vorhandensein der Leiche in Padua zu erklären, erzählt dieselbe Quelle von ihrer Verlegung aus Konstantinopel - zusammen mit der Leiche des heiligen Matthias - zur Zeit des Kaisers Julian des Apostaten (361-3 n.Ch.). Andere Schriften datieren die Verlegung auf das 8. Jhd., während der ikonoklastischen Verfolgung. In der Tat müssen die Historiker noch die Glaubwürdigkeit dieser Erzählungen eingehend prüfen.


Die Benediktinermönche, die sich schon vor dem Jahre 1000 n. Chr. im Kloster Santa Giustina angesiedelt hatten, begannen die Leiche des Evangelisten mit besonderen Ehren zu behandeln. So schufen sie etwa im Jahre 1313 einen Sarkophag aus Marmor, in den sie den bleiernen Sarg hineinlegten. Kurz danach, im Jahre 1354, ließ sich Kaiser Karl IV. von Luxemburg, König von Böhmen, den Schädel übergeben, damit er in die Kathedrale des heiligen Veit in Prag, damals Hauptstadt des Kaiserreichs, gebracht würde, wo er sich auch heute noch befindet. 


Im Jahre 1436 wurde dem Maler Giovanni Storlato die Aufgabe übertragen, auf die Wände der dem Heiligen gewidmeten Kapelle eine Reihe von Szenen zu malen, die von seinem Leben, der Verlegung der Reliquien vom Orient und ihrer Entdeckung in Padua erzählen.


Im Jahre 1463 gab es einen Streit mit den Franziskaner-Observanten der Kirche S. Giobbe in Venedig, die behaupteten, sie hätten die Leiche des „echten" Lukas. Sie sei in Folge des türkischen Vormarsches aus Bosnien gebracht worden. Daraufhin wurde jedoch - nach der Durchführung einer sorgfältigen Identifizierung - die Echtheit der von den paduanischen Mönchen aufbewahrten Leiche bestätigt. Ein Jahrhundert später, im Jahre 1562, weil der Bau der gegenwärtigen Basilika schon weit vorangeschritten war, wurde der Marmorsarkophag mit großer Feierlichkeit in den linken Flügel des Transepts verlegt.


Im Jahre 1992 beschloss man auf Antrag des Bischofs von Padua, Msgr. Antonio MATTIAZZO, und mit der Zustimmung der Benediktinermönche, eine gründliche interdisziplinäre Untersuchung. Man durfte den Schädel für einige Tage aus Prag kommen lassen. Der Sarkophag wurde am 17. September 1998 geöffnet: in ei¬ner versiegelten Bleikiste fand man ein menschliches Skelett in gutem Er¬haltungszustand.

Der von Prof. Vito TERRIBILE WIEL MARIN koordinierte wissenschaftliche Untersuchungsausschuss stellte folgendes fest:

1) Beinahe dem kompletten Skelett fehlen der Schädel, die rechte Elle und wenige weitere kleine Knochen. Man konnte auch feststellen, dass der aus Prag gekommene Schädel sich dem ersten Halswirbel des paduanischen Skeletts gut anpasst und es wurde so bewiesen, dass die verschiedenen Teile demselben Menschen gehörten.

2) Aus den anthropometrischen Untersuchungen ergab sich, dass das Skelett einem Mann gehörte, der in vorgerücktem Alter starb (zwischen 70 und 85 Jahre alt) und der etwa 163 cm. groß war.

3) Was eventuelle Pathologien betrifft, wurde folgendes festgestellt: eine verbreitete Osteoporose; eine sehr schwere Arthrose der Wirbelsäule, besonders in der Lendengegend; ein Lungenemphysem, das man aus der Kurvatur der Rippen folgerte. Das sind drei typische Verletzungen eines alten Mannes.

4) Die sorgfältige Erhaltung der Knochen nach vielen Jahrhunderten lässt uns denken, dass sie schon in der Vergangenheit als wichtige Reliquien betrachtet wurden, die aller Pflege für eine dauerhafte Bewahrung wert waren.


Das reichliche Nebenmaterial, welches man in der Kiste fand (Muscheln, Schlangeneier, Perlchen, Pflanzenfragmente, Webwaren, etc.) erforderte Fachkompetenzen in weiteren Bereichen. Aus dem Vergleich zwischen den verschiedenen Ergebnissen werden das Alter der Reste und die orientalische Herkunft einiger Gegenstände (Blütenstaub, Webwaren) bestätigt.


Die endgültigen Ergebnisse der Untersuchungen wurden auf dem internationalen Kongress vorgestellt, den man in Padua im Oktober des Jahres 2000 veranstaltete. Die wissenschaftlichen Daten - wie man am Ende dieser Tagung feststellte - stehen nicht in Widerspruch mit der traditionellen Zuordnung der Leiche zum heiligen Lukas; sie sind eher genaue Daten, die schriftlichen Quellen ergänzend, mit denen sich in Zukunft die historische Nachforschung mit größerer Exaktheit beschäftigen kann, besonders um zu erklären, wie, wann und warum die Verlegung aus Konstantinopel nach Padua erfolgte.

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